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Wandern in und um Sennestadt

Rundwanderweg A10: Dünenwanderung rund ums Sprungbachtal
Start-/Zielpunkt
Karte zur Wanderroute „Dünenwanderung rund ums Sprungbachtal“. Maßstab: 1:20.000.
Kartografie: Vermessungs- und Katasteramt
  • Bus-Haltestelle „Sennestadthaus“/Parkplatz am Sennestadtring
  • Länge: 6,7 km (mit Abkürzung: 5,9 km),
  • Gehzeit: ca. 2 Std.

Vom Ausgangspunkt führt der Weg zunächst an Kleingärten entlang in den Wald, wo wir an der ersten Wegekreuzung nach rechts abbiegen müssen. Nachdem wir kurz darauf eine geschotterte Straße, den Dissenkamp, überquert haben, wartet ein sehr spannender Wegabschnitt auf uns.

 
Blick in ein Dünental
Zur linken Hand wird das Gelände plötzlich stark wellig, wir durchwandern einen Dünenzug (Punkt 1 der Karte).

Der Waldbereich östlich von Sennestadt ist von ausgedehnten Binnendünen durchzogen und dadurch aus naturkundlicher Sicht besonders bemerkenswert und schutzwürdig.
Der vor uns liegende Dünenbereich ist durch seine Höhe und den ausgeprägten Wechsel von Dünenrücken und Dünental besonders eindrucksvoll.

Dunkelgrüne, ledrige Blätter, rote Früchte: die   Preiselbeere  – im dekorativen Frauenhaarmoos    Blick auf den Dünenzug am Dissenkamp
Der sehr nährstoffarme Sandboden der Dünen bewirkt eine charakteristische Vegetation. Die Baumschicht setzt sich aus Kiefern, Birken und Eichen zusammen, den Boden bedecken große Bestände der Heidelbeere und der Preiselbeere, dazwischen gedeihen dichte Polster eines sehr dekorativen, dunkelgrünen Mooses, des Frauenhaarmooses.

Nachdem wir an der nächsten Wegekreuzung nach rechts abgebogen sind, führt der Weg in ein Tal hinab und überquert einen kleinen Bachlauf, der nur zeitweise Wasser führt und dann wenige Meter weiter unterhalb in dichten Moospolstern vollständig versickert.

Nach ca. 250 Metern ist das Sprungbachtal (Punkt 2 der Karte) erreicht, das wir auf einem aufgeschütteten Damm überqueren. Der Sprungbach hat im Laufe der Jahrtausende ein tief in die Umgebung eingeschnittenes Tal mit steilen Böschungen geformt.

Die hier siedelnden Bauern ebneten in vergangenen Jahrhunderten den Talgrund ein und legten den Bach an den Rand des Tales, um die damals landwirtschaftlich sehr wertvollen Talbereiche als Grünland zu nutzen. Oberhalb des Dammes war der Talboden später zu einem großen Teich überstaut.

Auf dem ehemaligen Teichgrund hat sich mittlerweile ein wertvoller Sumpfbereich entwickelt, in dem alljährlich im zeitigen Frühjahr eine große Zahl an Grasfröschen ablaicht. Am linken Wegrand verdient ein sehenswerter alter Spitz-Ahorn die Aufmerksamkeit.

Am Sprungbach in der Nähe des Dammes, auf dem wir das Tal überqueren.
Aquarell von Helga Hoffmann
 
Trinkwassergewinnung
Anschließend wandern wir wieder – wie schon auf einem Wegabschnitt zuvor – an einem eingezäunten Waldabschnitt entlang. Darin liegen Trinkwasserbrunnen der Stadtwerke Bielefeld. Sie gehören zu dem direkt oberhalb der Paderborner Straße im Sprungbachtal liegenden Wasserwerk I (Punkt 3 der Karte), das im Jahr 1890 als erstes Wasserwerk der Stadtwerke in Betrieb genommen wurde. Zum Schutz der Brunnen vor Verunreinigungen sind die umliegenden Waldbereiche nicht öffentlich zugänglich. Nachdem wir einen recht eintönigen Douglasienforst durchquert haben, müssen wir an Wegegabelungen zweimal nach links abbiegen.
 
Ein sonniger Wegsaum mit Heidekraut und Waldameisen
Die Wanderung führt uns nun über einen lichten Sandweg, an dessen Rand kleine Bestände der Besenheide wachsen. Am linken Waldsaum sind mehrere Staaten der Roten Waldameise zu entdecken (Punkt 4 der Karte). Diese siedelt sich besonders gern an Waldrändern oder am Rand von Lichtungen oder Waldwegen an, während sie den dunklen geschlossenen Wald für den Bau ihrer Nester weitgehend meidet. Neben ihrer wichtigen Funktion als Vertilger von Forstschädlingen sind die Waldameisen eine wesentliche Nahrungsquelle für Spechte, vor allem für den seltenen Schwarzspecht. Damit die Nesthügel den Spechten auch zugänglich sind, sollten sie nicht mit einer Schutzhaube abgedeckt werden.

Nachdem wir sofort hinter dem eingezäunten Waldbereich, in dem sich eine weitere Reihe Trinkwasserbrunnen befindet, nach rechts abgebogen sind, durchqueren wir noch einmal einen gut ausgebildeten Dünenzug (Punkt 5 der Karte). Der Wegeverlauf zeichnet den Wechsel von Dünenrücken und Dünental nach, es geht steil auf und ab. Bei der nächsten Einmündung wenden wir uns nach links und bald darauf wieder nach rechts. 

Die Staaten der Roten Waldameise findet man meist am Rand von Wegen oder Lichtungen
Wenn wir nach wenigen Metern den Weg nach links einschlagen, gelangen wir aus dem geschlossenen Wald hinaus auf den Markengrund mit der Hochspannungsleitung.
 
Heideentwicklung im Markengrund
In diesem südlichsten Bereich des Markengrundes wird – ebenso wie oberhalb des Senner Hellweges – mit Hilfe einer Wanderschafherde versucht, Heide- und Sandmagerrasen-Vegetation zu entwickeln (Punkt 6 der Karte). Die Schafe verbeißen die immer wieder aufkommenden Gehölze und sorgen so dafür, dass genügend Licht zum Wachstum der Besenheide und anderer lichtbedürftiger Arten auf den Boden gelangt. Durch den Verbiss der Heidetriebe wirken die Tiere außerdem einer Überalterung der Besenheide-Bestände entgegen. 

Die besonnten Heideflächen und halbschattigen Waldsäume stellen einen idealen Lebensraum für die in ihrem Bestand stark bedrohte Zauneidechse dar. Diese legt ihre Eier in selbst gegrabene Löcher in der Erde ab und lässt sie durch die Sonnenwärme ausbrüten. Aus diesem Grund benötigt sie einen lockeren Boden, der sich gut erwärmt. Außerdem ist sie auf Versteckmöglichkeiten und geeignete Plätze zum Sonnen angewiesen. Im Markengrund findet sie all dieses vor und hat hier neben dem Behrendsgrund westlich der Autobahn A2 das einzige größere Vorkommen in Bielefeld. 

Die Heide blüht schon, das Johanniskraut noch – schöne Wegränder am Markengrund
Das Bielefelder Schafbeweidungsprojekt

Mitte der 90er-Jahre wurde das Bielefelder Schafbeweidungsprojekt gestartet, um wertvolle Lebensräume im Teutoburger Wald (Kalkmagerrasen) und in der Senne (Heide und Sandmagerrasen) zu erhalten und auf geeigneten Flächen wieder zu entwickeln. Eine Wanderschafherde zieht mehrmals im Jahr vom Ubbedisser Berg über den Freileitungsstreifen entlang der Autobahn in die Senne bis zum Flugplatz in Windelsbleiche und macht einen Abstecher in den Markengrund. Zur Lammzeit im Winter leben die Tiere auf dem Landschaftspflegehof Ramsbrock zwischen Ummeln und Windflöte sowie auf dem Schillingshof am Buschkamp. Schon nach wenigen Jahren zeigten sich deutliche Erfolge; seltene Pflanzen und Tierarten tauchten plötzlich wieder auf oder breiteten sich entlang des Zugweges aus.

Mit viel Glück lässt sich daher auch einmal eine Eidechse am Wegrand entdecken.

Wir wenden uns nun nordwärts und sehen in der Ferne auf die markante Kuppe des Lewenberges bei Gräfinghagen, dessen Anblick allerdings durch die Hochspannungsmasten sehr beeinträchtigt ist. Oberhalb der Kreuzung mit dem Huckepackweg ist der waldfreie Streifen sehr schmal und besonders stark mit Traubenkirschen verbuscht (Punkt 7 der Karte); eine Einbeziehung auch dieses Bereiches in das Schafbeweidungsprojekt wäre aus landschaftsästhetischer Sicht sehr zu begrüßen.
Rechts vom Weg erstreckt sich der südlichste Zipfel des ausgedehnten Wochenendhausgebietes beiderseits des Senner Hellweges. Da der Markengrund schnurgerade verläuft, bleibt uns der Blick auf den Lewenberg erhalten, bis wir ca. 650 m oberhalb des Huckepackweges wieder nach links in den Wald hinein abbiegen.

Zur Paarungszeit fällt das Zauneidechsen- Männchen durch seine grünen Flanken auf
Wie bereits am sonnigen Sandweg mit den Ameisenhügeln und anschließend im Markengrund, so ist auch hier das starke Auftreten der Spätblühenden Traubenkirsche (Punkt 8 der Karte) entlang der Waldwege zu beobachten. Gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts zur Bodenverbesserung in die Kiefernwälder der Senne eingebracht, hat sich diese aus Nordamerika stammende Art durch ihre aggressive Ausbreitung zu einem großen Problem sowohl für den Naturschutz als auch für die Forstwirtschaft entwickelt. Ohne einen regelmäßigen Einschlag der Traubenkirschen würden die wenigen besonnten Wegsäume im Wald rasch vollständig verbuschen und damit für lichtbedürftige Pflanzen- und Tierarten verloren gehen.

Wo der Weg nach einer Weile noch einmal den Huckepackweg kreuzt, kommen wir erneut durch leicht düniges Gelände mit Preiselbeer-Beständen am Wegrand.

Der Huckepackweg bietet sich als Abkürzung für den soeben beschriebenen Abschnitt des Rundweges an – in der Karte gestrichelt eingezeichnet.

 
Das malerische Sprungbachtal
Kurz nach Überqueren des Huckepackweges müssen wir uns nach links halten und erreichen dann den Oberlauf des Sprungbaches. Das schmale, tief in die Umgebung eingeschnittene Quelltal ist aufgrund seiner Vielfalt an seltenen Pflanzen und Tieren als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden und darf nicht betreten werden. Unser Weg läuft jedoch eine Weile nah an der oberen Hangkante entlang, so dass wir durch den dichten Baumbestand hindurch immer wieder einen Blick in das auch landschaftlich sehr reizvolle Tal werfen können.

Zunächst kommen wir an den drei künstlich angestauten Teichen gleich unterhalb der Sprungbach- Quelle vorbei, die besonders bei diesigem Wetter eine sehr romantische Stimmung entfalten. Unterhalb der Teiche hat sich im Talgrund auf einer ehemaligen Feuchtwiese, deren Bewirtschaftung sich nicht mehr lohnte, ein Erlenwald entwickelt.

Auf Höhe einer mitten im Wald gelegenen Vereinshütte zweigen wir nach rechts ab. Der nun folgende Wegabschnitt führt uns zum Abschluss noch einmal durch den Dünenzug vom ersten Abschnitt des Rundweges mit seinen reizvollen lichten Kiefern-Eichen-Birken-Wäldern.

Zwischendurch müssen wir zunächst nach links auf eine geschotterte Straße abbiegen und anschließend kurz hinter der Hauszufahrt einem schmalen Weg nach rechts folgen. Dort überqueren wir den kleinen Bachlauf, den wir schon zu Beginn unserer Wanderung kennen gelernt haben. An der nächsten Wegekreuzung hat sich unser Rundweg geschlossen, und schon bald darauf ist der Ausgangspunkt erreicht.

 

Sprungbachquellteich. Je nach Wetter und Jahreszeit erlebt man hier geheimnisvolle Stimmungen
Matthias Glatfeld
 

Diese Seite wurde zuletzt am  21. März 2008   aktualisiert 
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